
Mit viel Glamour hat die Musikwelt die Auszeichnung der besten Musiker, Komponisten und Arrangeure im Bereich Jazz, Country, Rock sowie Rhythm and Blues, Rap und Hip-Hop im Staples Center von Los Angeles gefeiert. Dabei gewinnt Jazz-Virtuoso Herbie Hancock in der bedeutendsten Kategorie nämlich „Album des Jahres“ und heimst einen weiteren Grammy für Best Jazz Solo Performance ein (sein 11. und 12. Grammy insgesamt). Noch erwähnenswert:
die Verleihung jährte sich zum 50. Male. Mit anderen Worten, ein besonders würdiger Anlaß in der Geschichte der Grammy-Preisverleihungen.
In insgesamt 110 Kategorien zeichnete die Jury die Besten der Besten aus.
(die Jury wird von der „Recording Company“ gestellt, die auch als Ausrichter der Feierlichkeiten verantwortlich zeichnet).
Basis der Ehrungen und Auszeichnungen sind, so ihr Präsident Neil Portnow, künstlerische Exzellenz, nicht jedoch Absatzzahlen der Musik-Industrie!
Man vergleiche: Hancocks Album wurde lediglich 55.000 Mal verkauft, Kanye West hingegen, der Rapper aus Chicago, kam bereits mit seinem Titel Graduation
auf satte 2 Millionen.
Ein Blick zurück:
Die TV-Übertragung vom 10. Februar umrahmten nur insgesamt 11 der wichtigsten Auszeichnungen, die übrigen Verleihungen wurden in einer weiteren Feierlicheit vor dem Start der TV-Übertragung vorgenommen. Es war Sonntag, der 10. Februar, 20.00 Uhr lokale Zeit, als das Spektakel per CBS an Dutzende von Millionen Zuschauern übertragen wurde.
Die Sensation kam für fast alle indes durch die Verkündung des Siegers in der „Best Album-Kategorie“: Jazz-Musiker Herbie Hancock gewann mit seinem in 2007 fertiggestellten Album „ River: The Joni Letters (erschienen bei Verve). Herbie Hancock sprach selbst bei der Entgegennahme des Preises von einem Sieg des Jazz!
Man muß schon 46 Jahre in der Geschichte der Grammys zurückgehen, um ein Ereignis mit ähnlichem Überraschungseffekt zu finden. Es war US Jazz-Musiker Stan Getz und sein brasilianischer Partner Gilberto Joao (Percussion), die 1964 als Jazzer erstmals in der gleichen Kategorie "Best Album" den Sing davon trugen - danach nie wieder - bis eben zum Jahre 2008.
Viele Freunde der Jazz-Szene freuten sich und jubelten. Allerdings, einige wenige professionelle Musikkritiker traten mit teils kritischen Betrachtungen ins publizistische Rampenlicht.
Eine sehr feinsinnige Kritik des Albums hatte einen Tag nach der Verleihung der führende Musikkritiker der New York Times Ben Ratliffe unter dem Titel
„A Victory for Jazz, or Just Grammy Being Grammy?” verfasst.
Mr. Ratliffe argumentiert darin, daß das Album im Grunde kein echtes Jazz-Album sei, da die Songs ursprünglich allesamt Folk-Songs der kanadischen Singer-Songwriterin Joni Mitchell seien, interpretiert von zumeist anderen großartigen (Folk-) Sängern und Sängerinnen.
Egal, wie immer man dies auch sehen mag, ein Blick in den gesamten Artikel von Ben Ratliffe erachten wir als lesenswert, hier der Link zum Artikel:
PS. Kurzer Nachtrag:
Anläßlich der Feierlichkeiten zur Verleihung der Grammys spielte Herbie Hancock zusammen mit dem weltberühmten chinesischen Klassik-Pianisten Lang Lang Gershwins großartige „Rhapsody in Blue“ und erhielten dafür stehende Ovationen. Zwei Pianisten aus verschiedenen musikalischen Welten zusammen auf der Bühne, Begeisterung erfüllte das Staples Center, wen wunderts angesichts solcher Meister-Interpreten?
Kostproben und Ausschnitte zum River-Album sowie ein Interview mit Herbie Hancock kann man sich auch bei Amazon.de anhören und anschauen.
Mehr Background zur Gewinnerscheibe: „River: The Joni Lettters“:
Zur Abrundung noch eine Auszug aus der Kurzbeschreibung des Albums bei Amazon.de
( geschrieben von Redakteurin Karin Lohmann):
„Ein Traum: die ersten Takte machen alles klar. Herbie Hancock spielt Klavier; er saugt den Hörer auf, unvermittelt, unausweichlich. Das neue Album River The Joni Letters ist eine Liebeserklärung an Joni Mitchell und ihr Werk, es besingt ihre Songs, flirtend, aufmerksam, mit sensiblen Arrangements. In einen insgesamt eher traditionellen Jazzstil mischen sich poppige Joni-Harmonien und manches Mal moderne Töne. Überall ist Luft zum Atmen, Zeit zu sprechen oder zu schweigen. Dave Holland spielt Bass, Wayne Shorter am Saxofon beschenkt die hochkonzentrierte Aufführung mit Eindringlichkeit er strahlt, mit soviel Kraft in jeder einzelnen Note; seine Solopassagen setzen dem musikalischen Diamantenregen die Krone auf. Erklärtes Ziel von Herbie Hancock war es, die poetischen Texte von Joni Mitchell instrumental umzusetzen....
.... The Joni Letters ist ein intimes, ein durchlässiges Album, anders als 2002, als Joni Mitchell, mit Herbie Hancock und Wayne Shorter als Gästen, eine Big-Band-CD mit ihren Songs einspielte. Von Herbie Hancock ist man immer wieder überrascht. Der Jazzgigant ist oft genial, manchmal stand er schon mit ausgeflippten Experimenten am Rande des geschmacklichen Nirvana. Hier gibt es mal gar keinen Zweifel: diese Aufnahme ist ein Volltreffer geworden“.
Und Musikhörer Andreas Wittenburg aus Hamburg schrieb bei Amazon.de diese sehr lesenswerte Kritik (Auszug):
„Wenn sich jemand an die Songs einer Ikone heranwagt, schauen die Fans doppelt genau hin. Huldigung oder Schändung - auch hier bleibt die Frage: Zeigt Herbie Hancock die Originale in neuem Licht, ohne ihre Substanz zu zerstören?
Das Ergebnis ist erstaunlich. Während Mitchells eigene Jazz-Interpretationen entweder zu träge ("Travelogue") oder zu fahrig geraten sind ("Mingus") findet Hancock nach seinen eher modernen Experimenten ausgerechnet hier zu zeitlosem Jazz zurück. Mit den zentralen Elementen Klavier, Gitarre und Stimme legt er die jazzigen Strukturen der Originale frei.
Mitchells nervöse Spannung weicht hier einem eleganten Fluss. So bekommt "Court And Spark" eine bittersüße Selbstverständlichkeit, und "River" atmet mit einer mädchenhaften Corinne Bailey Rae zarte Leichtigkeit. Vor allem dort, wo die Songs als Basis für feinsinnige Klavier-Meditationen dienen ("Both Sides Now", "Sweet Bird") entstehen faszinierende neue Klangstrukturen. Ganz und gar erstaunlich ist "Edith And The Kingpin" mit einer intensiven Tina Turner jenseits von ihrem üblichen Soul-Gebell, und bei "The Tea Leaf Prophecy" konnte sogar die Künstlerin selbst gewonnen werden. Das Album schließt mit einem anderen Songwriter-Titan, Leonard Cohen, und einer ungewöhnlichen Version von "The Jungle Line".
Eine kleine Schlußbemerkung:
Die neuen Alben von Joni Mitchell (Shine) und Herbie Hancocks "River" sollten alle Musikliebhaber einmal anhören.
Wahrlich lohnenswert...!
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