Robert Johnson gilt in Musikerkreisen als einer der bedeutendsten amerikanischen Gitarristen, Sänger und Songwriter im Bereich des Blues. Manche Kenner gehen weiter. Sein Biograf Stephen C. LaVere sagt : „ Robert Johnson ist der einflußreichste Blues Musiker aller Zeiten und derjenige Musiker, der am deutlichsten das Gesicht der populären Musik der letzten fünfzig Jahre geprägt hat“. So betrachtet darf man wohl sagen, er gehört zum Urgestein des Blues, auch wenn es vor ihm einige andere durchaus wichtige Vertreter gab.

Wer war dieser Mann, was hat ihn ausgezeichnet, was hat er der Musikwelt tatsächlich hinterlassen?
Johnsons kurze Lebensspanne – er wurde nur 27 Jahre alt - fällt in die Frühzeit des Blues, genauer, in die zwanziger/dreißiger Jahre. Von einer industriellen Musikproduktion war man in den Staaten damals noch Jahre entfernt

Aber der Reihe nach:
geboren wurde Robert Johnson am 8. Mai 1911 in Hazelhurst, Mississippi und gestorben 13. August 1938 in Greenwood, Mississippi (vergiftet von einem eifersüchtigen Nebenbuhler). Lediglich zwei authentische Fotografien existieren von ihm, erstmals 1968 veröffentlicht. Seine Grabstelle war lange unbekannt.

Seine musikalischen Ausflüge und Interessen bezogen sich am Anfang auf das Erlernen des Mund-Harmonika Spiels. Als er selbst knapp 20 war und bereits sein Gitarrenspiel verfeinerte, gab es Wendungen und tiefe Einschnitte in seinem Leben. Seine Lebensgefährtin starb 1930, sechzehnjährig, bei der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter.

Amerika erlebte zu jener Zeit eine tiefe Depression, ausgelöst durch den schwarzen Freitag an der New Yorker Börse, im Oktober 1929. Große Not auf dem Lande und in den Städten hinterließen tiefe Spuren der Armut und Verzweiflung bei Millionen von Familien.

Musikalisch war Johnson geprägt durch Größen wie Charley Patton und Son House. Keiner konnte damals ahnen, daß dieser Mr. Johnson selbst einmal zum Vorbild ganzer Generationen von Musikern in Europa avancieren sollte.

Johnsons musikalisches Genre war der Country Blues, eine Gattung des Blues die maßgeblich durch ihn geprägt wurde. Also jene einfachen, tief empfundenen und überaus ehrlichen Songs, die typisch für die Lebenssituation vieler Menschen des amerikanischen Südens waren.

Johnson verdiente sich sein Geld bereits in seinen frühen Jahren mit dem Musikspielen bei Reisen durch das Mississippi und Arkansas Delta, oft auf dem Lande. Daher auch die spätere Bezeichnung und Charakterisierung für ihn: „King des Delta Blues“.

Legendär sind die beiden einizigen Aufnahme-Sessions von 1936 und 1937, in denen Johnson jeweils an drei Tagen in San Antonio (November 1936) und 2 Tagen in Dallas (Januar 1937) insgesamt nur 29 Lieder in diversen Versionen (takes) einspielte. Es existieren nicht mehr als 42 alternative Einspielungen in Gänze vom Meister. Berühmte Stücke jener Sessions waren etwa:
„Terraplane Blues”, “Cross Road Blues”, “Love in Vain”, “Sweet Home Chicago” und “Last Fair Deal Going Down”.

Diese uns überlieferten Schallplatten-Aufnahmen von erdigen, tief im Süden der Staaten verwurzelten Songs stellten das Fundament für viele später weiterentwicklelte Formen und Stilrichtungen des Blues dar.

Songs vom einfachen Leben der Farbigen, von Liebe, Schmerz und Kummer, also all jener Gefühlszustände, die in keiner anderen musikalischen Form so intensiv und echt dem Zuhörer dargeboten werden.

Dieser Robert Johnson brachte also das Kunststück fertig und produzierte die uns bekannten ersten Musikstücke in einem primitiv improvisierten Studio.
Überlieferte Bilder, die viele Platten-Alben in allen erdenklichen Abwandlungen seit jeher geschmückt haben, sind das visuelle Symbol jener Sessions von 1936/37.

Freilich, hört man heute jene technisch nicht ganz klar klingenden Aufnahmen aus den dreißiger Jahren so wird der eine oder andere Hörer sicher Abstriche machen – was aber bleibt, ist der intensive Ausdruck und Klang dieser einmaligen Stimme eines noch jungen Musikers, der ein gutes Jahr später schon nicht mehr auf dieser Welt sein sollte.

Verehrt und gecovered seit Mitte der Sechziger Jahre von den größten damals spielenden weißen zumeist britischen Blues-Protagonisten und Bands (Clapton, John Myall, Allman Brothers, Led Zeppelin die Rolling Stones) hat sich seit der Neu-Auflage seiner insgesamt nur 29 aufgenommenen Songs (allesamt Eigenkompositionen) zu beginn der Neunziger Jahre eine echte Johnson-Euphorie bis in die heutigen Tage fortgesetzt.

Keith Richard, Lead Gitarrist der Rolling Stones, war einst total begeistert vom Spiel des Gitarristen Johnson. Keith erinnert sich, daß er zunächst meinte, daß Spiel stammte von zwei Gitarren, bis er sich bewußt wurde, daß es nur das Spiel eines Mannes mit einer Gitarre war. Absolut unglaublich also.

Posthum ist sein Ruhm und seine Genialität in diversen Ehrungen und Auszeichnungen zum Ausdruck gebracht worden, zuletzt mit der Grammy-Auszeichnung von 2006 für sein Lebenswerk (entgegengenommen in L.A. von seinem Sohn Claud Johnson, einem Mann von über 70 Jahren).
Zuvor gab es bereits andere, nicht minder wichtige Ehrungen, so im Januar 1986 die offizielle Aufnahme in die „Rock and Roll Hall of Fame“.

Es sind diese wenigen Songs, rauh, intensiv und gepaart mit seinem außergewöhnlichen Gitarrespiel, die die Nachwelt, beginnend ab den Sechziger Jahren, so faszinierten.

Ganz besonders Eric Clapton hat seit seiner Jugend die unglaublichen Klänge und die überaus einprägsame Musik mit der tief aus der Seele empfundenen Stimme geliebt. So sagt es der Meister selbst in seiner Autobiografie.
„ RJ ist der wichtigste Blues-Musiker der je gelebt hat, er verfolgt mich seit ich als Junge erstamls seine Musik hörte. Ich habe nie zuvor jemals einen Sänger gehört, der so tief aus der Seele heraus Stücke schrieb. Seine Musik bleibt das intensivste, was man in einer menschlichen Stimme hörbar machen kann. Eric Clapton nahm 2004 das Album auf, welches er ausschließlich den Stücken von Rober Johnson widmete. Es trägt den Titel: „ Me and Mr. Johnson“, eine Hommage an den Genius dieses Mannes, in Claptons Worten: „es mußte geschehen, er war seit meiner frühen Jugend in meinem Kopf!“.

Das Album ist jedem Blues und Musik-Liebhaber zu empfehlen. Eric Clapton wird auf dieser Scheibe von alten Bekannten in Höchstform begleitet:
Steve Gadd, Billy Preston, und der großartige Harmonika -Virtuose Jerry Portnoy, um nur einige zu nennen
(reinhören bei Amazon)

Fazit:
Für alle Musikbegeisterten und insbesondere am Country Blues geschulten Ohren ist es ein Muß, diese Musikwelt zu erkunden und kennen zu lernen. Entweder in dem man in jene von Columbia/SONY 1990 neu herausgebrachte „Complete Recordings-Box“ einmal reinhört, oder den vielen Cover-Versionen der oben zuvor genannten Künstlern nachspürt oder nach ihnen „googelt“ und noch manchen unbekannten Cover-Leckerbissen unter Umständen dabei erwischt.

In jedem Falle, die musikalischen Funken werden nur so sprühen!

Hinweise und Tips zum Vertiefen:
Claptons Autobiografie, (auch auf unserer Homepage eine kleine Besprechung)

Ferner: gute englischsprachige Websites mit qualitativ hochwertigen Informationen zum Leben und zur Musik des Robert Johnson gibt es einige; hier ein Link, der das Verhältnis von EC zu RJ beleuchtet..: HYPERLINK oder ein ausführlicher Beitrag über sein Leben auf Englisch auf der eigens für ihn geschaffenen Seite der „Robert Johnson Foundation“: HYPERLINK
dort findet man auch alle Song-Texte: HYPERLINK

All seine 29 Songs im Überblick:

Aufgenommen im November 1936, San Antonio 32-20 Blues
Come On In My Kitchen*
Cross Road Blues*
Dead Shrimp Blues
I Believe I'll Dust My Broom
If I Had Possession Over Judgment Day
Kindhearted Woman Blues*
Last Fair Deal Gone Down
Phonograph Blues*
Preaching Blues (Up Jumped the Devil)
Rambling On My Mind*
Sweet Home Chicago
Terraplane Blues
They're Red Hot
Walking Blues
When You Got a Good Friend*
Aufgenommen im Januar 1937, Dallas
Drunken Hearted Man*
From Four Till Late
Hellhound On My Trail
Honeymoon Blues
I'm a Steady Rollin' Man
Little Queen of Spades*
Love in Vain*
Malted Milk
Me and the Devil Blues*
Milkcow's Calf Blues*
Stones in my Passway
Stop Breakin' Down Blues*
Traveling Riverside Blues
(*) Es existieren Alternativversionen.t.

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